Am 15. Juni, pünktlich zum langen Wochenende, sind in Tirols Skidimension die Lifte in den Sommerbetrieb gestartet. Und wer hierbei nur an Familien- und Kinderwagentaugliche Wanderungen denkt die völlig überlaufen sind liegt falsch. An den Hot Spots wie Murmliwasser, Högsee oder dem Sommer Funkpark in Fiss (die selbstverständlich bequem mit der Gondel zu erreichen sind) muss man sich aufgrund des regen Andrangs oft wundern das jede Familie vollständig und mit den richtigen Kindern abends nach Hause geht

Für alle die lieber die ungestörte Ruhe in den Bergen suchen, eine atemberaubende Landschaft und einen grandiosen Ausblick genießen wollen oder einfach nur etwas abenteuerlustiger als der „Durchschnitt“ sind ist der 2936m hohe Rotpleiskopf genau das Richtige!

Der 2936m hohe Rotpleiskopf (früher Spinnkopf) ist ein Gipfel zwischen Paznaun und dem Inntal. Er gehört der Samnaungruppe an und ist zudem der höchste Berg im Urgtal. Je nach Ausgangspunkt gibt es mehrere Möglichkeiten ihn zu besteigen, zudem eignet er sich perfekt für eine Überschreitung. Die nächstgelegene Hütte/Alm ist die ca. 2 Stunden entferne Ascher Hütte.

Ein Hoch auf die Bergbahnen Serfaus Fiss Ladis 😀

Meine Tour beginnt in Ladis von wo aus ich gemütlich mit der Sonnenbahn nach Fiss fahre. Mit der Schönjochbahn geht es genauso entspannt in 10 Minuten von 1436m auf 2436m. 1000 Höhenmeter in 10 Minuten – nicht schlecht! Faul? Sicher nicht, mir bleiben dennoch 956m bergauf die ich zu Fuß und in Eigenleistung zu bewältigen habe.

Auf dem bestens markierten Weg ziehe ich los nach Westen in Richtung Zwölferkopf. Kurz darauf erreiche ich die 1. Abzweigung und muss mich für einen der beiden Wege entscheiden. Möglichkeit 1 führt in ca. 4,5 Stunden über sage und schreibe 6 Gipfel (Zwölferkopf, Oberer und Hinterer Sattelkopf, Vorderer und Hinterer Brunnkopf, Planskopf) zum auserwählten Ziel. Möglichkeit 2 ist schneller, dafür aber anspruchsvoller in ca. 3,5 Stunden geht es über den Spinnseesteig zum oberen Spinnsee über das Steinkar zur Spinnseescharte weiter zum Gipfel. Ich entscheide mich für Variante 2, da es mittlerweile 10:00 Uhr ist und ich noch genügend Zeit für den Abstieg haben möchte. Falls dir eine gemütliche Wanderung vorschwebt kann ich den Blog von letzter Woche empfehlen, die Damen zog es zur Stablalm bei Elmen im Lechtal.

Nach einem ersten kurzen Anstieg entlang des Grades führt mich der Spinnseesteig leicht abfallend entlang der Nordhänge der Sattelköpfe zum Geländerücken den ich als kurzen Rastplatz nutze. Über einige Steinfelder geht es in Richtung Talgrund bis man an einer Holzbrücke angelangt. Entlang des Baches zieht sich ein steiler Weg weiter zu einem Geländerücken wo man nur wenige Schritte später den ersten Blick auf den türkisblauen Oberen Spinnsee erhaschen kann. Ein Traum!

Obacht beim Wandern! Es gibt noch viele Schneefelder

Am hinteren Ende des Sees führt der Weg weiter in Richtung Spinnscharte. Obwohl, welcher Weg? Aktuell verdeckt ein relativ großes Schneefeld viele Teile der rot – weiß – roten Markierungen. Ich bin froh das vor mir schon jemand dieselbe Idee hatte und folge den Spuren im Schnee in der Hoffnung das mein Vorgänger eine ungefähre Ahnung vom Weg hatte. Groß verlaufen kann man sich hier eh nicht, der Weg führt fast vertikal nach oben. Mit Hilfe meiner Wanderstöcke ist dieser Anstieg einfacher zu bewältigen. Angekommen bin ich ziemlich aus der Puste und entscheide mich für einen weiteren kleinen Zwischenstopp – von hier aus hat man einen wunderbaren Blick in die umliegenden Täler.

Endspurt in den Tiroler Alpen

Der Gipfelanstieg ab der Scharte ist anspruchsvoll. Schon nach einigen Metern muss ich meine Hände zu Hilfe nehmen um über das große Blockwerk zu steigen. Die „Schlüsselstelle“ ist mit einem Drahtseil gesichert an dem man sich festhalten kann, allerdings ist dieses so weit oben angebracht das ich es als kleine Person anfangs gar nicht erreiche. Die letzten Schritte zum Gipfelkreuz lassen mich schon erahnen was für einen herrlichen Rundblick man von oben hat.

Bergheil mit Style: Schnaps am Gipfel vom Rotpleiskopf

Zu meinem Erstaunen treffe ich am Gipfel zwei weitere einheimische Wanderer die mich direkt zu einem Schnaps einladen – typisch Tiroler! Nach einer kurzen Jause und dem obligatorischen eintragen und schmökern im Gipfelbuch mache ich mich auf den Rückweg. Aufgrund der Kletterpassagen und dem Schneefeld brauche ich abwärts in etwas gleich lang wie ich schon aufwärts gebraucht habe um erneut an den Oberen Spinnsee zu gelangen. Von dort aus geht es sanft absteigend in mitten einer saftig grünen Wiese zum Unteren Spinnsee. Ich habe mich für den Abstieg ins Urgtal entschieden. Der nicht enden wollende Weg schlängelt sich den äußert steilen Hang hinunter. Meine Knie tun weh und ich wünsche mir nichts mehr als einfach nur ein paar Schritte geradeaus zu gehen.

Die Schönheit des Urgtals lässt mich sofort die Mühen des Abstieges vergessen. Erinnerungen an meine Kindheit kommen hoch, an diesem Felsen bin ich früher mit meinem Papa geklettert. An dieser Stelle haben wir immer gefischt und igitt genau da habe ich zum ersten Mal eine Kreuzotter gesehen. Ich freue mich riesig nach dieser wunderschönen Tour ein bekanntes Gesicht zu sehen. Auf einer Bank am Ende des Sees wartet schon mein Papa um mich abzuholen. Umzingelt von Kühen streckt er mir ein kühles Getränk entgegen das ich liebend gerne annehme. Gemeinsam machen wir uns auf den Heimweg und lassen den Tag Revue passieren.

Wer kein privates Eltern Taxi hat (zudem ist es nur mit einer speziellen Genehmigung erlaubt hier hoch zu fahren!) erreicht in wenigen Minuten die Schöngampalm. Dort kann man sich ein Bike ausleihen und die immerhin 16 Kilometer abwärts deutlich schneller zurücklegen. Wer ausreichend Zeit hat und einen erneuten Anstieg nicht scheut, erreicht von hier aus in ca. 1,5 Stunden den Ausgangspunkt, also die Gondel. In dem Fall sind die Betriebszeiten der Bergbahnen Serfaus Fiss Ladis zu beachten um nicht alles runterlaufen zu müssen.

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